Anja Fischer
Drucken

Esoterik-Was ist das?

 
Bericht über den Gesprächskreis-Abend des Hauskreises am 17. Mai 2010
 
Es sollte um das Thema ESOTERIK gehen und wir hatten gemeinsam versucht, eine Definition zu finden. Dabei sind wir aber zu der Erkenntnis gekommen, dass es für uns keine klare Definition des Begriffes Esoterik gibt. Für die meisten von uns schwingt in diesem Begriff etwas Negatives mit, wir verbinden damit Praktiken, die für uns nicht greifbar sind, nicht fassbar und keinen verbindlichen Bezugspunkt haben.
Liest man im Wörterbuch nach, so findet sich dort die Erklärung, dass Esoterik eine philosophische Lehre ist, welche nur einem bestimmten, inneren Personenkreis zugänglich ist. Man könnte auch vom geheimen Wissen sprechen, im Gegensatz zu Exoterik, dem öffentlichen Wissen. Der Wortstamm von Esoterik (aus dem altgriechischen) bedeutet „innerlich“. Bei Wikipedia nachgeschlagen, trifft man auf den „inneren, spirituellen Erkenntnisweg“ als weitere Bedeutung des Wortes Esoterik.
 
Im Laufe des Abends fiel dann der Begriff SPIRITUALITÄT, mit dem einige von uns etwas mehr anfangen konnten. Spiritualität bedeutet Geistigkeit, im engeren Sinne auch Geistlichkeit in Form von religiöser Haltung.
 
Die Diskussion rankte sich dann um Fragen wie: Warum sind so viele Menschen in der heutigen Zeit auf der Suche nach „innerlichem Wissen“ und beschäftigen sich eher mit esoterischen Dingen als mit der „wahrhaftigen“ Religion? Warum finden diese Leute in der traditionellen Kirche keine Heimat? Gibt es tatsächlich einen Hunger nach esoterischem Wissen, kommt dieser aus einer Not heraus und wie kann er gestillt werden? Wenn moderne Menschen an Not leiden, so ist dies vorrangig eine seelische Not, sie sind auf der Suche nach einem Halt in ihrem Leben, aber warum finden sie nicht den Weg in die Kirche, zum Gottesdienst, zu Gott? Sind wir zu bequem? Gibt es überhaupt noch Verbindlichkeiten für uns? Sind wir denn noch in der Lage, uns ganz und gar auf eine Sache vollkommen einzulassen?
 
Sehr viele Fragen standen im Raum und wir fanden einige wenige Antworten. Der moderne Mensch möchte nicht so viele Verbindlichkeiten eingehen, es ist ihm zu unbequem, er sucht sich lieber hier und dort eine Nische, so wie es ihm gerade in den Kram passt. Und wenn es keinen Spass mehr macht, dann wird eben etwas anderes, Neues angefangen, solange, bis auch das wieder problematisch wird und aus diesem Grund wieder eine andere Sache ins Auge gefasst wird. Es war von „Patchwork“ die Rede, so wie es sogenannte Patchworkfamilien gibt, scheint heutzutage alles irgendwie Patchwork zu sein. Aber sollte es nicht unsere Aufgabe sein, sich wieder auf das Althergebrachte, Traditionelle zu besinnen und darin den Sinn unseres wahrhaftigen Daseins zu finden?
 
In diesem Sinne müssen wir es wieder neu lernen, unseren inneren, spirituellen Weg zu finden, in Form von Anbetung unseren Geist zur Ruhe kommen zu lassen, einen Raum zu finden für Sammlung und Orientierung, sich aufgehoben und getragen fühlen von Gottes Hand, Zwiesprache zu halten mit dem Allmächtigen, Gottes Geist in uns spüren, um wahrhaftig und ganz zu leben.
 
Während des Schreibens bin ich jetzt auf die Frage gestoßen, ob die Menschen, die sich mit esoterischem Wissen beschäftigen, nicht doch auch eine Möglichkeit finden, ihre Spiritualität auszuleben. Vielleicht muss es für sie nicht Gott sein, sondern sie finden in anderer Form einen Halt in ihrem Leben. Ich denke, es lohnt sich, darüber noch einmal zu diskutieren und nicht gleich von vornherein die Esoterik als „neumodische, unseriöse Wissenschaft“ abzustempeln. Von daher wäre es doch zu überlegen, ob wir uns mal einen „Heiler“ oder anderen Esoteriker in den Gesprächskreis einladen, um uns eine Meinung bilden zu können.
 
Anja Fischer