Dieter Preuß
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Die Männer der Gruppe „Männerschmieden“ trafen sich im Gemeindehaus Saalfeld am 04.Mai 2012.
Das Thema lautete
"Altlutheraner und die Entstehung der lutherischen Kirche in den USA"
Vortragender Diplom-Psychologe Kay-Uwe Kleine aus Erfurt.
 
Anbei die Zusammenfassung von Diplom-Psychologe Kay-Uwe Kleine:

 „ Zum 300. Jahrestag des Augsburgischen Bekenntnisses wurde die Union 1830 überall in
Preußen durch König Fr. Wilhelm III. durchgesetzt. 1836 erklärte Andreas August Grabau,
Pfr. der St. Andreas Kirche in Erfurt öffentlich, daß er die unierte Agende nicht mehr
gebrauchen könne, da er sie mit seinem Gewissen nicht vereinbaren könne.

Grabau sagte sich offiziell von der unierten Kirche los, mit ihm ein Teil der Andreas-
Gemeinde. Die Gottesdienste fanden nur noch heimlich statt, da diese verboten wurden
unter Androhung von Strafe. Grabau wurde verhaftet und in Heiligenstadt inhaftiert.1838 bat
Grabau die Regierung in Erfurt um Auswanderung. 1839 erhielt er den endgültigen
Auswanderungsbescheid.
1840 wendete sich endlich das Blatt für die alt-lutherischen Gemeinden in Deutschland,
König Friedrich Wilhelm III. starb und Friedrich Wilhelm IV. trat die Regierung an. Die
Verfolgung der Altlutheraner wurde beendet und ihnen eine gewisse Duldung gewährt. Im
Sept./Okt. 1841 tagte die erste Generalsynode der Ev.-luth. Kirche in Preußen in Breslau.
1844 konnte ein neuer Betsaal in der Erfurter Großen Arche 14 (heute Naturkundemuseum)
eingeweiht werden. 1912 fand die Grundsteinlegung der Christuskirche in der Erfurter
Tettaustraße statt, welche dann 1913 geweiht wurde. Die altlutherische Gemeinde gehört
heute zur Selbständigen Ev.-Lutherischen Kirche (SELK).
Neben der SELK als bekenntnislutherische Kirche (Konkordienbuch von 1580 mit den
lutherischen Bekenntnissen, in denen auch die Realpräsenz Jesu Christi beim Abendmahl
formuliert wird), gibt es in Deutschland noch die bekenntnislutherische Ev.-lutherische
Freikirche (ELFK), vorwiegend in Sachen, u.a. mit einer Gemeinde in Saalfeld (St.-Paulus-
Gemeinde am Alten Markt). Beide haben nichts mit den Ev.-lutherischen Landeskirchen der
EKD zu tun. Es gibt untereinander keine Abendmahl- und Kanzelgemeinschaft – u.a. wegen
dem Abendmahlsverständnis und der strikten Ordination von Pfarrern auf die lutherischen
Bekenntnisse im Konkordienbuch bei den Altlutheranern.
Viele Alt-Lutheraner wanderten aber auch aus, so unter anderem nach Amerika, darunter
auch Familien der Andreas-Gemeinde aus Erfurt. Es wurde von den Auswanderwilligen eine
Auswandererkasse errichtet. Nach Erhalt des Auswanderungsbescheides mußte Grabau
direkt von Heiligenstadt nach Hamburg reisen. Er durfte nicht mehr zurück nach Erfurt.
Erst in Hamburg sollte er auf seine Familie und auf ca. 1000 Auswanderwilligen, v.a. aus
Pommern, treffen. Man reiste von Hamburg nach Hull (England) und dann auf dem Landweg
nach Liverpool. Mit 5 Dampf-Schiffen (Alfred, Britannia, Republic, Georgiana und Echo) fuhr
man nach New York. Im September ging es dann per Dampfschiff auf dem Hudson von New
York nach Albany und dann auf dem Erie-Kanal per Kanalboot nach Buffalo. Ein Teil der
Gemeinde (10-14 Familien) blieb in New York und Albany, der größere Teil zog mit Grabau
nach Buffalo.
Auswanderer nach Amerika gab es schon vorher - allerdings aus ökonomischen Gründen.
Es gab gute Verbindungen zwischen den verschiedenen ev. Richtungen. Nun kamen aber
Einwanderer in großer Zahl, die sehr homogen waren, die ihren eigenen Pfarrer mitbrachten
– und es waren Einwanderer aus religiösen Gründen. Das brachte erhebliche Probleme mit
sich und es begann eine starke Polarisierung und Assimilierung der schon vorhandenen
Einwanderer in die neu entstehenden Gemeinden.
Den ersten Gottesdienst hielt Grabau am 05.10.1839 in Buffalo in einem gemietetem Saal.
Unerwartet traf eine Spende aus Hull/England ein (300 Taler) von Menschen, die von der
Ausreise und den schlechten Bedingungen der Auswanderer mitbekommen hatten (man reiste
ja von Hamburg über Hull nach Liverpool). Damit konnte das erste eigene Kirchengebäude,
die „Dreifaltigkeitskirche“ errichtet werden. 1840 wurde die Gemeinde als „Alt-lutherische Kirche“
incorporiert und es fand der erste Gottesdienst in der neuen Kirche statt.
Da Grabau mit der Zeit einen dogmatischen, autoritären Stil entwickelte, gab es zunehmend
Probleme in den von ihm geführten Gemeinden. Hinzu kamen Lehrstreitigkeiten bezüglich
der „Bedeutung des Amtes“ mit den aus Sachsen ausgewanderten Lutheranern (Missouri-
Synode). Die Streitigkeiten mit Missouri dauerten 39 Jahre bis zum Tod Grabaus. Der Riß
ging durch Gemeinden, sogar durch Familien.
Wer waren die Missouris? Die Missouris waren Lutheraner die aus Sachen ausgewanderten,
da sie mit dem Rationalismus in der sächsisch-lutherischen Kirche nicht einverstanden waren,
zuerst unter Führung von Pfr. Stephan (Pastor aus Dresden), später unter Pastor Walther
Sie wanderten ca. 8 Monate vor Grabau aus. Sie kamen vorwiegend aus den Regionen
Altenburg und Frohna. Sie siedelten vor allem zuerst in Missouri und gründeten die Siedlungen
Frohna, Altenburg, Wittenberg, Seelitz usw., die zum Teil heute noch bestehen.
Ende 1840 kam es zur Gründung einer Ausbildungsanstalt für Pastoren und 1845 zur
Gründung der „Synode der aus Preußen ausgewanderten lutherischen Kirche“, kurz Buffalo-
Synode unter Annahme der pommerschen und sächsischen Kirchenordnung in Milwaukee.
1854 wurde das Martin-Luther-College eingeweiht und Pastor Winkler aus Detroit konnte
zum ersten Prof. berufen werden, wo er 22 Jahre tätig war. 1853 wurde Grabau zum Direktor
berufen (37 Jahre lang).
1866 kam es zum Austritt Grabaus aus der von ihm gegründeten Synode.
Auch gab es einen College Prozeß in dem Grabau vorgeworfen wurde, er habe das
Grundstück des Colleges auf seinen Namen für die Gemeinde gekauft. Der Prozeß gegen
Grabau wurde abgewiesen, das Grundstück mit College verblieben bei Grabau und seiner
„Rest-Synode“.
1879 starb Grabau und wurde auf dem Friedhof „Zur heiligen Ruhe“ (Holy Rest Cemetery)
bestattet.
1909 gab es nur deutschsprachige Gottesdienste. Für die heranwachsende Generation
war es aber immer schwieriger die deutsche Sprache zu verstehen. Ab 1909 bis 1930
erfolgte ein gradueller Wechsel zum Englischen, zuerst im wöchentlichen Wechsel,
später überwiegend englisch, seit 1940 nur noch in Englisch.
Bis 1894 war die private Beichte/Absolution die einzig mögliche Form für die Vorbereitung
und Zulassung zum Abendmahl. Ab 1894 wurde auch die gemeinsame Beichte möglich. Der
Beichtgottesdienst fand am Samstag Abend statt. Ab den 1940er Jahren war dies dann auch
bis eine halbe Stunde vor dem sonntäglichen Gottesdienst möglich. Ab den 1960er Jahren
mischte sich die Beichte in den „normalen“ Gottesdienst hinein. Heute beginnt der
Gottesdienst mit einer Kurzform von Beichte und der Bitte um Vergebung.
1915 wurde eine neues Kirchengebäude diskutiert und 1924 eingeweiht. In den 1960er Jahren
erfolgte dann die Vereinigung mit der Lutheran Sheridan Church in Eggertsville. Das
Kirchengebäude der Sheridan Church wurde erweitert, das ursprüngliche Kirchgebäude der
TOL in Buffalo verkauft. Der traditionelle Name TOL wurde aber beibehalten. Die Gemeinde
(www.trinityoldlutheran.com) gehört heute zur ELCA, der größten lutherischen Kirche in den
USA, einer Schwesterkirche der VELKD in der EKD, ist also keine alt-lutherische Gemeinde
mehr.“
Nach dem Abendessen kam die Diskussion in Gang.
Es wurde diskutiert über den Einfluß von Gott auf das Weltgeschehen und die Wege des Einzelnen.
Die Diskussion wurde zum Teil sehr kontrovers geführt.
 
Dieter Preuß