Norbert Schneider
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Männerschmieden am 25.11.2011 in Saalfeld, Gemeindehaus

Nach langer Zeit war ich wieder bei unserer "Männerschmiede".

Nach einem kurzen "Hallo" und der Vorbereitung des Essens, welches Toralf organisert hatte, folgte ein gemütliches Beisammensein mit leckerem Essen.
Die ersten Gespräche mit unserem heutigen Gast ließen einen außergewöhnlichen Vortrag erwarten. Er sei zwar aktuell von einem fünfmonatigen Auslandseinsatz am Horn von Afrika zurückgekehrt, möchte aber heute Abend von Afghanistan berichten.

Oberleutnant zur See Marco Hellgrewe stellte uns seinen Vortrag "Afghanistan, ein gordischer Knoten?!" vor und berichtete sehr ausführlich und authentisch von seinen Erlebnissen in Afghanistan.

Er war insgesamt fast zwei Jahre, innerhalb der letzten vier Jahre, in Afghanistan und begann seinen Vortrag mit den Worten: "Ich werde heute insbesondere meine persönliche Sichtweise der Dinge mit in den Vortrag einfließen lassen, unterlegt von Daten und Fakten.

Er nahm uns mit auf seine mehr als nur abenteuerlichen Reisen durch das ganze Land Afghanistans. Er reiste meist allein, aber immer als Soldat in Uniform, oft auch mit seinem damaligen Dolmetscher und heutigen Freund, Khalid A. Dayani, durch das Land. Diese Art des Reisens brachte ihm im Laufe der Zeit den Respekt und das Vertrauen der einheimischen Bevölkerung und der Persönlichkeiten aus Politik, Religion, Gesellschaft und Wirtschaft ein.

Seine Reisen verliefen durch das ganze Land, den Norden und auch den Süden des Landes.
Er legte dabei rund 30 000 Kilometer zurück, führte rund
1300 Gespräche mit den Afghanen, übernachtete und aß mit den Afghanen und nahm an 812 nationalen und internationalen Meetings teil.

Er ging auf die politisch-rechtlich-religiöse Struktur des Landes ein, in dem kein Gesetz dem Koran widersprechen dürfe. Eines der Probleme sei der Opiumanbau. Über 93 Prozent des Weltmarktes kämen aus Afghanistan. Seine Erfahrung mit der afghanischen Bevölkerung im Bezug auf Deutschland: "Die Afghanen lieben die Deutschen, die beste Hand des Westens ist die deutsche Hand." Sein Auftrag lautete, die nationale und internationale militärische Führung zu beraten und ein Netzwerk aufzubauen.
Mindestens zweimal pro Woche war er in der Blauen Moschee in Mazar-e Sharif ("dem Grab des Edlen") zu Gast, wo er viele interessante Gespräche mit den dortigen verantwortlichen Imamen führte.
Zu seinen Kontaktpersonen gehören neben vielen Stammesführern auch viele Minister, Politiker, das Präsidialbüro von Herrn Karzai, geistliche Führer und der afghanische Botschafter in Berlin.

Ein weiteres Problem -aus seiner Sicht- sei der unkontrollierte Geldfluss in das Land. Es gebe praktisch keine Kontrolle, wohin die Gelder fließen und wer, was damit macht.

Ein Fazit nach dieser langen Zeit in Afghanistan:
"Die Probleme in Afghanistan können nicht durch das Militär allein gelöst werden, viel wichtiger sei ein ehrliche Kommunikation mit den Afghanen auf Augenhöhe, politische Lösungen, Wirtschaftliche Lösungen, aber unter Einbeziehung der sog. "Taliban",

Für seine Arbeit in Afghanistan und seinen Abschlussbericht mit den möglicherweise notwendigen Schlussfolgerungen für die internationale Politik gegenüber Afghanistans, bekam er als erster Ausländer, den höchsten afghanischen Tapferkeitsorden, unterzeichnet und angeordnet von Herrn Hamid Karzai - immerhin dem Präsidenten des Landes, verliehen. Sein höchster Vorgesetzter, ein deutscher General, bekam ebenfalls das afghanische Bundesverdienstkreuz.
Die Art und Weise sowie der Mut als Soldat alleine durch Afghanistan zu reisen, sei Vorbild für alle 42 Nationen in Afghanistan, so Karzai.

Im Anschluss an seinen Vortrag entstand eine lebhafte Diskussion mit vielen Fragen, denn man hat ja nicht immer die Möglichkeit, sich ausreichend informieren zu können.

Die Diskussionen wurden anschließend noch bis etwa gegen 01.00 Uhr in der "Pappe", mit einigen Teilnehmern aus der Runde, fortgesetzt.

Norbert Schneider