Harald Piesch
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Männer –Schmieden Saalfeld den 09.Juli 2010

Von Einem, der das erste mal dabei ist.

Morgen, nach dem Friedensgebet, treffen wir uns wieder und reden über einen von uns, der es nicht geschafft hat sein Leben in den Griff zu bekommen. „Klaus-Dieter Albrecht lag tot in seiner Wohnung als ich mit meinem Ersatzschlüssel nach ihm sah“ erzählte Rüdiger S. mir am Telefon. Ja ich kannte ihn vom Neuen Forum aus der Nachwendezeit. Klaus war klug und Rede gewand. Er hatte mehrere Berufe, er wollte, er wollte und wollte arbeiten als er noch gesund war, aber die Gesellschaft und die richtige Frau wollte ihn nicht. Haben er oder wir versagt? Hat seine Seele, er selbst oder andere den Körper kaputt gemacht oder wer noch?
Ich, der wohl glücklichere von Beiden, lasse meine sinnvolle Arbeit im schönem Haus liegen, verlasse meine geborgene Umgebung und eile am Freitagabend pünktlich 18:00 Uhr in die Johanneskirche zum Friedensgebet bei 30 Grad im Schatten. Nichts, alle Türen sind zu. Wo sind die, die ich sonst hier traf. Nun hatte ich doch ganz deutlich die Berufung gespürt - Heute und jetzt hier her zu kommen, ich hatte mich drauf gefreut. Alles zu und dunkel in der Kirche. Ein noch junger Mann, dem man sein Unglück ansah, ging es wohl eben so wie mir. Jener ging wieder und ich blieb. Die Tür zum Pfarramt war auf. Die nächsten zwei Türen waren zu. Die dritte Tür war auf. So einfach kann das Leben sein wenn man nur will und weiter versucht.
Die Kirche wurde aufgeschlossen, eine Kerze angezündet, die Alarmanlage vom Altar ausgeschaltet und wir zwei standen allein davor und er betete mit mir. Dann gab er mir den Schlüssel und sagte:“ die Männer kämen gleich um dann gemeinsam auf den Kirchturm zu steigen, im Türmerstübchen wollen wir uns heute treffen“. Da kamen sie nun die Mannen, die Gesunden und die Kranken, die Jungen und die Alten, die Schwachen und die Starken…. Jeder hatte was zu tragen. Das schwerste war wohl der Kasten Bier. Nun standen sie vor dem verschlossenem Südturm und ich als Neuer durfte stolz die Tür aufschließen. Oben, Hoch oben über der Stadt, über den Glocken, üben den Menschen da unten, über den vielen Problemen da unten, über unseren Problemen, der freie Blick in die Ferne, der Blick über den Dingen. Der Standort konnte nicht besser gewählt sei für unser heutiges Thema „Seele“. Die 12 Klappstühle waren schnell um den ausgezogenen runden Tisch gestellt und das frische Brot in Scheiben geschnitten, der Schmalz die Gurken daneben gestellt. Erst mal Luft holen, Liederbuch aufschlagen und singen, wer Noten und Text lesen kann, zur Gitarre.
Ich war wirklich durstig und hungrig. Wir tranken und aßen alle einfach ohne Teller und Gabel und ein Messer für alle. Dies taten wir für den Leib für unseren Körper. Die Seele im Körper sagte danke machte uns für den Moment glücklicher und wir merkten es nicht, oder haben es einige von uns bewusst bemerkt, oder bemerken, erinnern sich nachträglich daran, wenn sie diesen Text lesen? Es lohnt sich also immer nachzudenken was war und warum.
Wir hörten uns an was Rüdiger S., zu Klaus, aus seinen Leben, seinen Problemen und seinem Tod zu sagen hatte. Da waren wieder die Probleme des Lebens, „ja ich kann ihn gut verstehen, mir geht es ähnlich, wer hat versagt, vielleicht war es besser so, … hörte ich in der Runde aus ernsten Männergesichtern. Grund genug wieder über das große Thema Seele, Glück, Liebe und Sinn des Lebens nachzudenken. Die verschiedenen Meinungen, Erfahrungen der Alten im Kreis und der Wissenschaft aus Zeitung, hl. Schrift usw. zu hören. Muss man sich überhaupt mit diesem komplizierten Thema beschäftigen oder geht es auch ohne dessen Wissen? Ich war erstaunt, dass fast alle mir bekannten Varianten des Lebens in diesem kleinem Kreis vorhanden oder zur Sprache kamen.
Was ist mit dem geistig behinderten Menschen? Jener versteht von der Seele oder ähnlichen vermutlich nichts und ist glücklicher als …
Da kennt einer einen Querschnittsgelähmten der nur noch den Kopf bewegen kann. Jener aber soviel Glück und Liebe mit den verbleibenden Gesichtsmuskeln verbreiten kann, dass es sich lohnt diesen Kranken zu besuchen.
Da ist der von Kindheit geführte, der sich an die jahrtausendealten Erfahrungen der Menschheit, deren Gebote und Gesetze hält und keine Veranlassung sieht weiter über den Hintergrund seines Glückes und seiner echten Liebe die er empfindet nachzudenken.
Da ist der, der durch nur einen Schicksalsschlag, aus der Bahn geworfen wurde und mühselig auf den Weg zurückkam und sich nun bewusst mit dem Thema Seele beschäftigt.
Da ist der, der alles richtig machen wollte und die Ehefrau ihn nach der Schwangerschaft und der Geburt des heiß ersehnten ersten Kindes aus der Familie drängt. Jener, seine Berufung nach geht, die Zeichen der Seele erkennt. Einen Unterschied erkennt über die leidende Seele und der unglücklichen Seele. Das er zwar sehr leidet aber nicht unglücklich war über das Fehlverhalten seiner Ehefrau. Und wenn er unglücklich ist die Schuld zuerst bei sich suchte um dann sein Leben mit diesem seelischem Leitfaden bis ins Alter weiter führte.
Da ist der Arbeitslose, der von seiner kaputten Seele spricht und alle Schuld dem Arbeitsamt übergibt.
Da ist der wohlbehütete einzige Sohn der schon lange unglücklich ist und nicht so richtig weiß warum. Er hat doch alles richtig gemacht.
Wie Einfach oder wie kompliziert ist nun das Leben? Sind die 10 Gebote der Christen ausreichend? Helfen sie mir wenn ich seelisch krank bin? Wie soll ich meinen Nächsten lieben wenn ich mich selbst nicht lieben kann? Die Liebe kann man nicht durch ein Gebot erzwingen. Ist dieses wichtige Gebot nur falsch übersetzt? Ist es nicht eher so zu verstehen: „Lebe Dein Leben so, dass du selbst glücklich bist, dann kannst Du Dich und Deinen Nächsten lieben“. Richtig leben, den Sinn des Leben erkennen und dann mit seinen eigenen Gaben diesem Ziel mit Hilfe der Seele oder mit Gotteshilfe gehen. Was machen die, die an keinen Gott glauben und auch glücklich sein können. Glauben alle irgendwie an ein höheres Wesen?
Der Sinn allen Lebens, ob Pflanze, Tier oder Mensch , ist nach meiner Meinung die Erhaltung des Leben. Ein Leben kann nur erhalten werden, wenn es sich fortpflanzt. Ein Leben, nur sich zu erhalten, ohne an die Fortpflanzung in irgend einer Weise zu handeln, ist sinnlos, dieses Leben stirbt so oder so, egal wie viel gutes Essen, Arbeit, Vitamine, Sport, Wissen usw. es bekommt. Für das richtige Leben steuert mich die Seele über die Sucht nach dem Glück, in dem sie mich glücklich oder bis zum Tod durch Krankheit oder Selbsttod leiden lässt. „Warum soll mein sinnloser Körper, in dem ich als Seele bin weiter leben, wenn er doch nur zunehmend zur Last für die andern Leben wird“ denken immer mehr, vor allen kluge Menschen und hören doch nur ihre Seele, ihren Aufschrei nach ändern und verstehen sie nicht. Das höchste Glück empfindet in der Regel eine werdende Mutter und Vater. Warum empfinden Menschen Glück in Berufen oder Tätigkeiten wo auf dem ersten Blick kein Sinn des Lebens zu erkennen ist? Man muss nur gründlich auch hier nach dem Sinn suchen und es lohnt sich dies zu erkennen.
Wir hatten die Fragen uns gestellt, ist die Seele und der Körper eine Einheit. Wenn das so ist warum zerstört dann die Seele ihren eigenen noch jungen Körper. Gibt es so was wie die Kernseele tief in uns, unabhängig vom Einfluss unserer Vorfahren oder Umwelt? Steuert dieser Kern unseren Selbsterhaltungstrieb, sagt er uns, wenn wir lange genug im geschütztem
Raum nach ihm suchen, was richtig ist? Was macht die Seele ohne Körper nach dem Tod?
Ich als „Neuer“ sah, dass die Männerrunde in diesem geschützten erhoben Turmraum der Kirche, trotz Leid der Einzelnen, im Gespräch in der Gruppe mehr oder weniger glücklich war. Die Männer, die kamen hatten den Willen etwas zu tun, etwas gutes, sie wurden über ihre Seele belohnt für das, was jeder in dieser Runde beitrug. Wir bedankten uns im Gebet. Es war spät geworden. Jeder geht in sein Raum zurück. Macht er es ab jetzt besser, wenn er unglücklich war, macht er gestärkt weiter so, wenn er glücklich war?
Allen und mir wünsche ich, den Nächsten, der uns über den Weg läuft und Hilfe braucht, zu erkennen und die Kraft und Ideen für diese Hilfe.
 
Der Neue fühlte sich berufen diese Zeilen zu schreiben die Gedanken hierzu kamen einfach so oder ?
 
Harald Piesch